Acotango (6064 m) Leichter 6000er in Bolivien

Einer der weniger bekannten 6000er im mit hohen Gipfeln reichlich gesegneten Sajamagebiet ist der Acotango.

Dank einem neuen Minenweg können wir nun auf gut 5300m hinauf fahren und den Berg ohne Zeltlager besteigen. Ein früher Start vom Ort Sajama genügt. Wir haben ihn auch schon als Tagestrip von La Paz aus gemacht, mit sehr frühem Start natürlich. Das absolute Highlight ist der lange Grat Richtung Gipfel mit Ausblicken nach allen Seiten vor allem aber die Laguna Chungara und die Zwillinge Pomerape und Parinacota. Mit Sajama, Capurata und Guallatire schieben sich weitere 6000er ins Blickfeld.

Acotango

Besteigung des Acotango

Wie die meisten hohen bolivianischen Vulkane ist auch der Acotango ohne großartige technische Schwierigkeiten zu besteigen. Leichtes Steigeisengehen ist manchmal nötig, aber Eispickel und Seil werden in der Regel nicht gebraucht. Dank seiner freistehenden Lage gilt der Acotango als exzellenter Aussichtsberg. 6 6000er, unzählige 5000er, der Lauca Nationalpark, die Laguna Chungara und sogar der weit entfernte Salar de Coipasa sind von seinem Gipfel aus zu sehen.

Als Grenzberg kann der Acotango sowohl von chilenischer als auch von bolivianischer Seite aus besucht werden. Da die Anfahrt von Chile aus recht kompliziert ist und man auch weniger hoch kommt und ein eventueller Transfer sehr teuer wäre, ist hier die bolivianische Seite klar vorzuziehen.

Dabei braucht mit mittlerweile 100 Bolivianos Eintritt dotiert Sajama Nationalpark nicht betreten werden. Nur wer im Ort Sajama übernachten möchte muss die Schranke am Parkeingang passieren. In dem Fall sollte man es nach 19 Uhr tun, denn dann wird nicht mehr kontrolliert. In Kombination mit einem Start um 5 im Ort Sajama muss man so keinen Parkeintritt bezahlen, was nur für die Übernachtung auch absolut nicht angemessen ist.

Ist es generell nicht, da das Großteil an das Departamento Oruro fließt und absolut keine Gegenleistung für den Eintritt geboten wird. Wer allerdings im Anschluss noch Sajama, Parinacota oder Pomerape im Sinn hat kommt um den Eintritt nicht herum. Dann sollte man auch definitiv eine der zahlreichen Thermalbäder ausprobieren.

Es reicht vom Ort Sajama um 5 Uhr zu starten dann sind wir um 6,15 am Ausgangspunkt. Wir fahren von Sajama zuerst auf die geteerte Hauptstrasse und dann Richtung Tambo Quemado. Kurz vor der Tankstelle und dem Ort führt links ein breiter Weg Richtung Süden, in welchen wir einbiegen. Diesem Weg folgen wir relativ lange bis wir die Lichter des kleinen Ortes Chachacomani vor uns sehen. Eine etwas unscheinbare Spur führt rechter Hand auf den Berg zu. Wir haben 2 Chancen eine der beiden Einfahrten zu erwischen. Wenn wir bis zu dreimal Zäume öffnen müssen sind wir Richtig. Nach ein paar Serpentinen kommen wir in eine breite Ebene, die wir bis Ende durchfahren. Immer noch auf brauchbaren Pfadspuren. Nun wird es steil und in Serpentinen gewinnen wir rasch an Höhe. Wir passieren eine  normalerweise geöffnete Schranke, kommen an ein paar heruntergekommenen Steinbauten vorbei und biegen danach (noch deutlich vor dem Speichersee) steil nach rechts ab. Eine weitere kleinere Hochfläche durchfahren wir und halten uns dann rechts um den Minenweg zu erwischen. An der letzten Abzweigung geht es dabei nach Links und dann steil bergauf bis zu unserem Einstieg. Ein breites Tal in welches aus einer Rechtskurve Pfadspuren leiten. Hier befindet sich eine deutliche Verbreiterung zum Parken und wir uns mittlerweile auf 5300 Metern Meereshöhe.

Nun folgen wir dem Tal bis ins Ende und suchen den am wenigsten steilen Weg auf den Grad der fast einen Halbkreis um uns bildet. Leicht nach Rechts haltend kommt man gut hinauf. Was dann folgt ist ein Riesenerlebnis. Es öffnet sich der Blick nach Chile und auf etliche hohe Vulkane wie die Taapacas oder den weit entfernten Tacora. Direkt vor uns streckt sich der bunt gefärbte Umurata in den zumeist tiefblauen Andenhimmel. Nun wird der Anstieg flacher und wir steigen nach Links dem Gipfel entgegen. Wir passieren eine markante Felsspitze welche aber linksseitig umgangen werden kann und steigen wenige Meter ab bevor wir den Schlussanstieg in Angriff nehmen. Die letzten 3 steileren Aufschwünge werden wir immer vom rauchenden Guallatire begleitet. Dieser 6000er steht schon komplett auf chilenischem Boden und muss dementsprechend auch von Chile aus in Angriff genommen werden. Die letzten 50 Höhenmeter wird es nochmal etwas steiler (aber nicht wirklich schwierig) bevor das gewaltige Gipfelpanorama genießen können. Bis in die 300 Kilometer entfernte Cordillera Real, wo vor allem der gewaltige Illimani perfekt auszumachen ist, reicht die Sicht, aber auch der Pazifik kann erahnt werden.

Umurata vom Acotango

Beim Abstieg können wir uns kurz vor dem kleinen Gegenanstieg nach Rechts wenden und die steilen Schuttfelder absteigen oder abfahren. Aber Vorsicht der Schutt ist hier relativ fest und an einigen Stellen tückisch.

Talort: Sajama (4300m) oder Lagunas direkt an der Straße zur Grenze oder die Grenzstation Tambo Quemado; jeweils sehr einfache Unterkünfte, viele Läden und auch Restaurantes. In Sajama ist die Unterkunft schön, aber Restaurantes sucht man vergebens. Kein Internet, Geldautomat usw.

Übernachtung: Hostal Sajama, tel.: 71509185

Anfahrt: Von La Paz durch El Alto Richtung Oruro und im Ort Patacamaya halten wir uns rechts Richtung Arica bzw. Tambo Quemado, der Grenzstation. Etwa 15 Kilometer bevor der Grenzstation zweigt Rechts ein Fahrweg ab, ein grünes Schild mit der Aufschrift Sajama dient als Entscheidungshilfe.

Höhenunterschied: ca. 800 Höhenmeter in Aufstieg und Abstieg

Schwierigkeit: leichte Eistour; keine Kletterstellen im Fels, steiles Geröll, der Berg ist oft Wind ausgesetzt, Steigeisen sind meistens nötig, ab Oktober kann es sein das auch im oberen Teil der Firn abgeschmolzen ist. Trekkingstöcke und Steigeisen reichen in jedem Fall für den Aufstieg und natürlich sehr warme und winddichte Kleidung.

Bolivien Gipfeltour zum Acotango