Cusco - Der Nabel der Welt

Ein Reisebericht aus Südamerika - Peru. Von Thomas Wilken.

Cusco - Der Nabel der Welt. Das war einmal, aber Cusco ist immer noch die bekannteste Stadt Lateinamerikas. Touristisch überfüllt hin oder her sowohl Alica als auch Falk hatten Cusco als die Stadt schlechthin beschrieben, und da ich mich auch für Maccu Piccu entschieden hatte ist also Cusco ebenfalls im Programm. Um es vorweg zu nehmen, mein persönlicher Favorit bleibt definitiv La Paz, aber baulich ist Cusco nur schwer zu schlagen. Vor allem die Kirche La Compania an der Plaza de Armas ist mehr als sehenswert, aber viele weitere Bauwerke können ihr das Wasser reichen.

Huacaypata hieß dieser Platz früher zur Inkazeit und war circa doppelt so groß wie heute. Dazu völlig mit Sand bedeckt, denn diesen hatten Gäste aus allem Provinzen als Zeichen der Verbundenheit mit der Hauptstadt zusammengetragen. Paläste, Tempel und Regierungsgebäude rundeten das Bild ab, heute erfüllen La Compania und die Kathedrale eine ähnliche Funktion, zudem wird die Plaza von zahlreichen Discotheken gesäumt.

Die heutige Hauptstadt des gleichnamigen Departamento liegt auf 3430 Metern Höhe und ihre Geschichte ist die interessanteste Südamerikas. Sie galt als das Zentrum und Herz des Inkaimperiums (Qosqo = Zentrum) und war auch gleichzeitig dessen Hauptstadt. Man nannte es „Nabel der Welt“, reicher und mächtiger als das alte Rom, von wo aus sich das Inkareich in alle vier Himmelsrichtungen bis Ecuador und Chile ausdehnt. Der Grundriss wird mit dem Körper eines Pumas verglichen, die lang gezogene Unterstadt bildete den Schwanz Pumachupan, und die höher gelegene Festungsanlage Saqsaywaman, den Kopf. Alle Paläste waren mit Gold ausgekleidet, weshalb die goldhungrigen Spanier unter Pizarro die Stadt 1533 eroberten. Cusco war auch Schauplatz des groß angelegten Rückeroberungsversuchs unter Manco Inka im Jahr 1536. Obwohl nahezu 200.000 Krieger aus allen Teilen des Inkareiches anmarschierten, konnten sie die Stadt nicht komplett zurückerobern, und zogen sich daraufhin nach Vilcabamba zurück.

1650 zerstörte ein Erdbeben die von den Spaniern umgebaute Stadt, nur die wesentlich stabileren Grundmauern aus der Inkazeit konnten ihm standhalten.

Dies wechselvolle Geschichte hat ein vielfältiges Stadtbild aus Inkamauern und Kolonialbauten hinterlassen, welches heute Millionen von Besuchern in seinen Bann zieht. Bereits seit 1692 hat Cusco eine Universität und ist heute auch Sitz eines Erzbistums (ach wie wichtig). Leider war 1650 nicht das einzige Erdbeben, immer wieder wird die Stadt von diesen heimgesucht, zuletzt 1986, wobei viele nicht erdbebensichere Gebäude in Mitleidenschaft zuzogen wurden.

Cusco zählt heute etwa 260.000 Einwohner, 1975 war es noch ein Drittel davon.  

Ich hatte übrigens einen Direktbus von La Paz genommen, gerade noch rechtzeitig um der nächsten Straßensperre zu entkommen wie ich hörte. Den schönen Weg am Titicacasee entlang kannte ich ja schon, aber äußerst abwechselungsreich ist auch die Strecke von Puno nach Cusco. Kleine Seeaugen wechseln sich mit erstaunlich grünen Weideflächen ab, im Hintergrund runden schneebedeckte 5000er das Bild ab. Cusco selbst habe ich dann zu einer recht günstigen Zeit besucht, denn im Mai hat die Hochsaison noch nicht begonnen. Schade nur das mir die Zeit fehlte einen Stop in einem der kleinen Pueblos zwischen Cusco und Puno einzulegen, nächstes Mal !

Doch etwas Zeit um die Stadt näher unter die Lupe zu nehmen bleibt mir zum Glück, was ich auch ausgiebig tue. Vieles ist auf Touristen eingestellt, die Touragenturen sehr teuer, fast alle werben mit dem Ziel, Maccu Piccu. Auch das Unterfangen ein günstiges Restaurant zu finden ist nicht ganz einfach, dafür ist die Stadt aber im Vergleich zu früher sehr sicher geworden, wohl auch dank der Touristenpolizei. Ich habe noch keinen Ort in Südamerika gesehen mit einem dermaßen hohen Anteil an Touristen, bzw. Weißen, sei es in den Gassen oder den (preislich fast schon europäisch anmutenden Discotheken). Auch viele Straßenverkäufer sind auf Touris spezialisiert, ein kleines Mädchen will mir Schokolade verkaufen und beschimpft mich auf eher witzige Weise als ich ablehne. „Du magst doch Schnaps und Prostitutas und Kokain“. Ich sage ja klar, aber keine Schokolade.

„Schokolade“ will mir auch ein anderer Herr verkaufen, „quires Mariuhuana“ ? Ich antworte hier bei euch ist es mir zu gefährlich, und kann ihm nach dem zwanzigsten Mal klar machen das nein bei mir auch nein heißt, außerdem hätte ich damit aufgehört. Typische Straßengespräche in Cusco halt, erst amüsant, aber irgendwann lästig, das Gleiche erwartet mich sicher auch an meinem nächsten Ziel.